Das Schenefelder Ärzte-Quartett

DAS BEWÄHRTE TEAM: (VON LINKS) WALTER TELSCHOW, JOHANNES MARTENSEN, KATRIN KLEWITZ UND MORITZ TELSCHOW. KRISTINA MEHLERT
DAS BEWÄHRTE TEAM: (VON LINKS) WALTER TELSCHOW, JOHANNES MARTENSEN, KATRIN KLEWITZ UND MORITZ TELSCHOW. KRISTINA MEHLERT

Sie alle lieben ihren Beruf. Das wird sofort deutlich. Allerdings: „Von der Politik fühlen wir uns manchmal nicht so wertgeschätzt“, drückt es Johannes Martensen aus der Ärztepraxis Schenefeld vorsichtig aus. Gemeinsam mit den promovierten Internisten Walter Telschow, dessen Sohn Moritz und der Internistin, Fachärztin für Geriatrie und Palliativmedizinerin Katrin Klewitz betreibt der Internist und Reha-Mediziner eine Gemeinschaftspraxis als „hausärztlich niedergelassene Internisten“.

„Und unsere Zusammenarbeit klappt hervorragend“, betonen die vier Ärzte, die vorher in der Praxis schon als Internisten mit langjähriger Erfahrung oder als Oberärzte in einer Klinik tätig waren. „Ich war es dann, der vor 30 Jahren in die Praxis der Ärzte Brodersen und Nühs in der Bahnhofstraße als Dritter mit einstieg, um die Praxis zu verjüngen“, erzählt Walter Telschow. Noch genau erinnert er sich an die vom Land geförderte Muster-Landarztpraxis in einem Bungalow mit Röntgen, kleiner Chirurgie und Gastroskopie sowie der unvergessenen Rohrpostanlage.

 

Heute betreibt er zusammen mit seinen Kollegen eine hochmoderne Landarztpraxis in der Holstenstraße 40. Inzwischen ist auch Sohn Moritz als Internist in die Praxis mit eingestiegen. „Ich habe den Arztsitz meiner Mutter Christiane, die von 2006 bis Ende vergangenen Jahres als Fachärztin für Allgemeinmedizin hier tätig war, übernommen“, sagt der 35-Jährige, der außerdem noch als Oberarzt in einer Rendsburger Klinik tätig ist, „allerdings nur noch an den Wochenenden“.

 

Für die „ältere“ Generation in der Gemeinschaftspraxis ein potenzieller Gewinn, denn „dadurch besteht immer noch der Kontakt zu jüngeren Klinikkollegen, so dass wir berechtigte Hoffnung haben, in Zukunft passende Nachfolger für uns zu finden“, sagt Walter Telschow, der wie sein Kollege Martensen mit 65 Jahren das Rentenalter bereits erreicht hat. Telschow sagt: „Ich glaube, dass jüngere Kollegen die Arbeit in einer Landarztpraxis nicht grundsätzlich scheuen – vielmehr denke ich, dass es einfach nur Bedenken gibt, als Einzelkämpfer neben der ärztlichen Tätigkeit auch Arbeitgeber, Betriebswirt, Finanzexperte, IT-Techniker und in Zeiten von immer mehr Vorschriften und Bürokratie Träger des gesamten betriebswirtschaftlichen und Regress-Risikos zu sein.“ Ein Arzt sei immerhin ein Gesellschafter mit unbeschränkter Haftung.

„Unsere Praxis ist gut aufgestellt, so dass sie auch für junge Kollegen durchaus interessant sein dürfte – wir bieten moderne Standards auf dem Land“, sagt Katrin Klewitz. Ihr selbst bringe die Arbeit mit den Kollegen sehr viel Freunde. „Es ist schön, sich untereinander austauschen zu können, sich nicht alleine zu fühlen und gemeinsam im Team etwas für den Patienten zu erreichen.“

Die Patienten haben in der Schenefelder Praxis die freie Arztwahl, sind aber in der Regel, ohne es zu merken, sowohl im juristischen als auch im medizinischen Sinn Patienten aller vier Ärzte. „Was für den Patienten eben den Vorteil von nahtloser medizinischer Versorgung in Urlaubszeiten hat“, sagt Telschow senior. Bei schwierigen Fällen machen sich auch alle vier Mediziner Gedanken über die beste Therapie.

Genauso sieht das auch Telschow junior. „Ich fühle mich unheimlich wohl und gut aufgehoben im Kreise meiner älteren Kollegen“, sagt der 35-jährige Mediziner schmunzelnd. Schließlich könne er von allen noch viel lernen. „Insbesondere im sozialmedizinischen Bereich, im Personalmanagement, der Verwaltung und sogar bei der Abrechnung.“ Außerdem, so betont weiter, könne er sich eine Tätigkeit in einer Einzelpraxis gar nicht vorstellen. Aus Erfahrung wisse er auch um die Arbeitsbedingungen in einer Klinik. Er erklärt: „Da bleibt das Privatleben dann doch schon einmal auf der Strecke. Ich denke also, ich habe alles richtig gemacht.“

Aus heutiger Sicht würde auch Martensen den Schritt einer Niederlassung immer wieder gehen. „Nur eben viel, viel früher.“ Aber beklagen wolle er sich nicht: „Dabei würde doch viel zu kurz kommen, welch einen tollen und wichtigen Beruf wir eigentlich ausüben.“ Das unterschreibt auch Katrin Klewitz, die 2004 in die Praxis einstieg. Sie hebt insbesondere die Teamarbeit und die Vernetzung zu anderen Praxen sowie die schnelle Kommunikation zu den Fachärzten deutlich hervor. „Auch davon profitieren natürlich die Patienten“, sagt die 57-Jährige, die lediglich die Bürokratie als einen „lästigen Pferdefuß“ bezeichnet. Allerdings, so sagt Kollege Martensen, erfordere der „demokratische Gerechtigkeitsgedanke nun mal die Bürokratie“.

Fragt man Walter Telschow, was er aus heutiger Sicht anders machen würde, sagt er: „Ich würde nie wieder über neun Jahre lang wöchentlich bis zu 100 Stunden mit Wochenenddiensten in einer Klink tätig sein – ansonsten würde ich alles genau so wieder machen.“ Einig sind sich die vier Mediziner, dass sie für sich die Lösung im Teamgedanken mit Aufgabenverteilung, gelebtes Qualitätsmanagement mit externen und internen Fortbildungen und Schulungen, Achtsamkeitstechniken im Umgang mit sich selbst und den acht Mitarbeiterinnen sehen. „Wir haben uns in der Vergangenheit, als das Miteinander mal nicht so optimal lief, auch nicht gescheut, uns eine externe arbeitspsychologische Beratung in die Praxis zu holen.“

 

Schenefeld, 20. September 2023

Quelle: sh:z
Bericht und Bilder: K. Mehlert